10/01 Gold wird über den Schattenhaushalt ESF des US-Finanzministeriums... PDF Drucken E-Mail

In Ausgabe 09/01 haben wir über die Beweise berichtet, die James Turk über die Manipulation des Goldpreises durch das US-Finanzministerium mit Hilfe des Exchange Stabilisation Fund (ESF) vorgelegt hat. James Turk führt zur Beweisführung Protokolle der Federal Reserve (Fed) aus dem Jahr 1995 an, die jetzt zur Veröffentlichung freigegeben wurden.

Um die Beweisführung zu untermauern schildert James Turk weitere Beobachtungen, die im Hinblick auf das Verhalten des US-Finanzministeriums auffällig sind. Zunächst beleuchtet Turk die von der Fed veröffentlichten Angaben über den ESF. Das Volumen des ESF umfaßte 1995 etwa 25 Mrd $. Davon waren 5 Mrd $ in US-Anleihen und jeweils etwa 10 Mrd $ in D-Mark und Yen investiert. Der ESF untersteht ausschließlich dem US-Finanzminister (damals Summers) und dem Präsident (damals Clinton). Keine Aktion des ESF wird von der Regierung oder dem Parlament kontrolliert. Der ESF ist demnach eine Schatteneinrichtung, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegt.

Bei der Untersuchung der Frage, wie das US-Finanzministerium immer wieder behaupten konnte, daß es nicht in den Goldmarkt eingreift, obwohl die Beweise dafür jetzt vorliegen, fällt auf, daß alle Anfragen zu Eingriffen des US-Finanzministeriums am Goldmarkt niemals vom damaligen US-Finanzminister Summers, sondern immer nur von seinen Mitarbeitern beantwortet wurden, auch wenn sie direkt an ihn gestellt wurden. So konnten die Mitarbeiter Summers ein Engagement des US-Finanzministeriums am Goldmarkt immer verneinen, da sie davon keine Ahnung hatten und US-Finanzminister Summers, der über die Eingriffe des ESF am Goldmarkt detailliert bescheid wußte, mußte in keiner Stellungnahme lügen. Der ESF konnte demnach in den Goldmarkt eingreifen und nur US-Finanzminister Summers und Präsident mußten davon informiert werden.

In der weiteren Untersuchung der Protokolle der Fed wird bestätigt, daß der ESF neben dem Rettungspaket für US-Banken, das aus den Engagements der US-Banken in Mexiko entstand (Mexikokrise), nur noch eine Swap-Vereinbarung mit der Deutschen Bundesbank unterhält. Da das Rettungspaket für die US-Banken aus der Mexikokrise keine Goldswaps beinhaltete, die Protokolle der Fed aber bestätigen, daß Goldswaps getätigt wurden (vgl. Ausgabe 09/01), läßt sich ableiten, daß es sich bei der Swap-Vereinbarung des ESF mit der Deutschen Bundesbank um einen Goldswap gehandelt haben muß.

Eine weitere Auffälligkeit ist die Umbenennung des Anteils von 1.700 t der US-Goldreserve, die in West Point lagert, von "Goldreserve" in "Gold unter Aufsicht". Die Änderung wurde im August 2000 vorgenommen. Anfragen, warum die Umbenennung stattgefunden hat, wurden bis heute nicht beantwortet. Im Gegensatz zum Gold in West Point wurden die US-Goldreserven, die in Fort Knox und der US-Münze in Denver lagern, nicht umbenannt.

Beruhten die Ausführungen Turks bis hier auf Beweisen, die in den veröffentlichten Protokollen der Fed nachlesbar sind (http://federalreserve.gov/fomc/Transcripts/transcripts
_1995htm), begibt sich Turk jetzt in den Bereich der Spekulation.

Turk unterstellt, daß die 1.700 t Gold in West Point umbenannt werden mußten, da sie in das Goldswap-Abkommen mit der Deutschen Bundesbank eingebracht wurden. Die Deutsche Bundesbank wurde durch das Goldswap-Abkommen Besitzer des Goldes in West Point und der ESF konnte mit dem Gold der Deutschen Bundesbank, das zum größten Teil in New York und London lagerte, den Goldmarkt in den letzten Jahren manipulieren. Anmerkung: Turk unterstellt Europa als den Lagerort des deutschen Goldes. Die Deutsche Bundesbank gab uns jedoch telefonisch die Auskunft, daß das deutsche Gold zum größten Teil bei der Fed in New York, in London, Australien und Kanada eingelagert war.

Turk berichtet weiterhin über einen Hinweis eines Nachrichtendienstmitarbeiters, den er als verläßlich einstuft, daß die Goldtresore der Deutschen Bundesbank leer sind. Bekannt ist, daß die Deutsche Bundesbank aktiv Gold verleiht. Demnach könnte die Deutsche Bundesbank von ihren 3.400 t 1.700 t Gold verliehen haben und 1.700 t in den Goldswap mit dem ESF eingebracht haben.

Ab hier ist der Bericht unglaubwürdig und nicht mehr nachvollziehbar. Zum einen hat die Deutsche Bundesbank bestätigt, daß sie 20 % ihrer Reserven (680 t) in Leihgeschäfte einbringt. Da die Deutsche Bundesbank uns gegenüber bestätigt hat, daß das Gold Deutschlands, größtenteils in New York bei der Fed lagert, waren die Goldtresore der Deutschen Bundesbank in Deutschland sowieso leer. Ein Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank äußerte sich uns gegenüber in dem Sinn, daß es im übrigen egal sei, wo das Gold lagert. Selbst wenn das Gold von der Deutschen Bundesbank nach Deutschland zurückgeholt würde, könnten es sich die Amerikaner im Kriegsfall ja jederzeit wieder zurückholen.

Zusammenfassung: Bewiesen ist das Eingreifen des ESF am Goldmarkt (vgl. Ausgabe 09/01). Erklärt ist das Vorgehen des US-Finanzministeriums über den ESF mit der gleichzeitigen Möglichkeit, Eingriffe in den Goldmarkt durch Mitarbeiter des US-Finanzministeriums ableugnen zu können. Aus den jetzt veröffentlichten Protokollen der Fed geht auch schlüssig hervor, daß der ESF eine Goldswapvereinbarung mit der Deutschen Bundesbank getroffen hat. Noch nicht bewiesen ist, daß die Umbenennung von 1.700 t Gold in West Point auf diese Goldswapvereinbarung zurückzuführen ist. Eine Erklärung dafür wird von der Fed verweigert. Die weiteren Hinweise Turks sind wenig nachvollziehbar und führen in der Sache nicht weiter.

Am 10. Mai 2001 fand in Durban in Südafrika eine Konferenz des GATA (Gold Anti-Trust Action Committee) statt, auf der Reginald Howe die Klage gegen die Fed, das US-Finanzministerium, die BIZ und die Investmentbanken J.P. Morgan, Chase Manhattan, Citigroup, Deutsche Bank und Goldman Sachs erläuterte. James Turk hielt einen Vortrag über die von ihm gefundenen Beweise für eine Goldpreismanipulation durch den ESF. Wir werden in der nächsten Ausgabe über die Reaktionen auf diese Konferenz berichten.