24/02 Gold ist ein Metall des Friedens und des Wohlstands PDF Drucken E-Mail

(Vortrag von Martin Siegel beim "Global Gold, Diamonds and Precious Metals Forum" in Frankfurt)

In praktisch jedem Kommentar wird Gold als Krisengewinner bezeichnet. Praktisch bei jeder kleineren Aufwärtsbewegung des Goldpreises wird auf die aktuelle Entwicklung im Irak verwiesen.

Ich möchte in den nächsten Minuten diese Einschätzung in Frage stellen. Möglicherweise ist es tatsächlich so, dass der Goldpreis bei einer Zuspitzung von politischen Krisen kurzfristig steigt. Vielleicht tut er es aber nur, weil in den Medien ein Zusammenhang zwischen der Zuspitzung einer politischen Krise und dem Goldpreis dargestellt wird und einige Anleger dieses Argument aufgreifen und Gold kaufen. Bereits über einen Zeitraum von wenigen Wochen ist ein Zusammenhang zwischen der Zuspitzung einer politischen Krise und dem Goldpreis nicht mehr nachzuweisen.

Mir persönlich ist niemand bekannt, der wegen einer derartigen Meldung zur Bank laufen würde, um sich Gold zu kaufen. Oder gibt es jemanden hier im Raum, der wegen der Anschläge im Kaschmir in der letzten Woche Gold gekauft hätte?

Meiner Einschätzung nach ist es den meisten Anlegern völlig egal, ob in Pakistan/Indien, Nordkorea/Südkorea, Taiwan/China oder im Irak ein Krieg beginnt. Dagegen reagieren die Anleger sehr sensibel auf Meldungen, die ihr persönliches Vermögen betreffen.

Beispiel Japan:

Es gab keine Meldung darüber,dass die Japaner wegen der Zuspitzung einer politischen Krise Anfang 2002 Gold gekauft hätten. Aber als die japanischen Banken die Obergrenze für die Sicherung der Einlagen kürzten, explodierte dagegen die Goldnachfrage.

Beispiel USA:

Zum Jahreswechsel2000 kauften einige US-Anleger Goldmünzen, da sie mit einem Zusammenbruch des Bankensystems gerechnet haben, nicht aber wegen einer politischen Krise.

Beispiel Deutschland:

Wegen der zusammengebrochenen Aktienkurse (Telekom -90 %) und der zusammenbrechenden Sozialsysteme machen sich immer mehr Anleger ernsthafte Sorgen um ihre Grundsicherung im Alter. Diese Sorgen werden durch die Probleme bei deutschen Investmentbanken noch verstärkt und führen zu erhöhten Goldkäufen.

Auf der anderen Seite bedeuten Kriegshandlungen auf globaler Ebene eine Erhöhung des Goldangebotes und eine Abschwächung der Nachfrage und wirken sich daher negativ auf den Goldpreis aus.

Bereits die Asienkrise hat 1998 zu einer deutlichen Erhöhung des Goldangebotes, vor allem aus Südkorea geführt. Viele südkoreanische Anleger verkauften damals Gold, da sie beispielsweise ihren Arbeitsplatz verloren hatten.

Auch in diesem Fall stieg der Goldpreis nicht an, da die Nachfrage in den westlichen Industrienationen das erhöhte Angebot aus Südkorea nicht ausgleichen konnte.

Wenn,wie wir gesehen haben, die Nachfrage in den westlichen Industrienationen bei der Zuspitzung einer politischen Krise nicht oder nur unwesentlich steigt, dann wird schnell klar, dass der Goldpreis von einem Kriegsausbruch im Irak möglicherweise gar nicht profitieren kann.
Ein Kriegsausbruch hätte vor allem 2 Effekte:

1. Die physische Goldnachfrage des Irak würde gegen Null sinken. Möglicherweise würde zusätzlich irakisches Gold von verarmten oder in not geratenen Familien auf den Markt kommen (Bitte beachten Sie, dass der Irak mit der Erschliessung der zweitgrössten Reserven weltweit ein wohlhabendes Land mit grossen Goldimporten sein könnte).

2. Durch die Investitionen in den Krieg werden in den westlichen Industrieländern (vor allem in den USA) umfangreiche Ressourcen in unproduktive Waffen investiert. Diese Investitionen verstärken die Haushaltsdefizite und dämpfen das Wirtschaftswachstum. Dieser negative Wohlstandseffekt wirkt sich wiederum negativ auf die Goldnachfrage aus.

Ich erwarte daher nach einem Kriegsausbruch im Irak keinen Goldpreisanstieg.

Wenn sich bereits ein Krieg im Irak negativ auf den Goldpreis auswirken würde, ist klar, dass kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Pakistan und Indien fatale Auswirkungen auf den Goldpreis hätten.Bei einer grösseren kriegerischen Auseinandersetzung im Kaschmir würde ich einen Einbruch der Goldimporte Indiens und Pakistans erwarten. Vor allem aus Indien könnte das in den letzten Jahren gehortete Gold wieder zurück auf den Weltmarkt gelangen.

Ein Kriegsausbruch mag sich für Anleger in ül- und Rüstungsaktien positiv auswirken. Anleger, die auf einen steigenden Goldpreis setzen, sollten nach meiner Meinung aber im Gegensatz dazu auf eine friedliche Lösung im Kaschmirkonflikt hoffen.

Noch eine Bemerkung:

In welcher Zeit gab es die weltweit grösste Wachstumsphase und Wohlstandsvermehrung?

Ich würde sagen zwischen 1944 und 1980.

In dieser Zeit stieg der Goldpreis von 35 auf über 800 $/oz. Nachdem ich nun aufgezeigt habe, dass der Goldpreis von sich zuspitzenden politischen Krisen nicht profitieren kann, warum setzte ich dann auf Gold?

1. Ich setze immer noch auf eine friedliche Lösung vor allem in den Krisenregionen Irak, Pakistan/Indien, Nordkorea/Südkorea und China/Taiwan.

2. Die Systemkrise im Finanzsektor in Japan, USA und Europa (Südostasien, Russland, Türkei, Argentinien, Brasilien) kann ohne grössere Turbulenzen nicht überwunden werden. Vor allem wird es anhaltende Probleme bei Banken und Versicherungen geben.

3. Jederzeit können weitere Weltkonzerne konkurs gehen (Enron, Worldcom).

4. Investmentbanken können jederzeit wegen Fehlspekulationen bei Derivaten konkurs gehen (Barings, Gerüchte bei JP Morgan).