22/03 Golden Hand PDF Drucken E-Mail

Die Goldhausse läuft an und die ersten zweifelhaften Promoter mit noch zweifelhafteren Gesellschaften kriechen aus ihren Löchern. Die Entwicklung um Golden Hand markiert dabei einen vorläufigen Höhepunkt in der aktuellen Aufwärtsentwicklung des Goldmarktes. Obwohl besonders drastisch und kein Einzelfall mehr, gehen wir dennoch davon aus, dass der Wendepunkt des Goldmarktes noch nicht befürchtet werden muss, da die Aufwärtsbewegung des Goldmarktes das breite Publikum noch nicht erreicht hat und für einen echten Wendepunkt das breite Publikum abgezockt werden muss, wie es am Neuen Markt in den Monaten vor dem März 2000 geschehen ist.

In einer ganzseitigen Werbung in der Zeitung "Euro am Sonntag" vom 19.10.03 wurde Golden Hand Resources, von der uns bislang unbekannten "Schmider Investments" als eine der aussichtsreichsten Goldstorys in den USA beworben. Dabei liegt die Wirklichkeit und die Irreführung bei der Werbung für Investoren dicht beieinander.

Die Wirklichkeit
Golden Hand befindet sich, wie es in der Werbung heisst, auf dem absoluten "Ground Floor Level". Dies heisst übersetzt: Die Gesellschaft hat absolut nichts zu bieten, weder eine Goldproduktion noch eine Goldressource, keine Bohrergebnisse, ja noch nicht einmal eine Andeutung, dass es auf den Gebieten der Golden Hand auch nur geringste Anzeichen für eine Goldvererzung gibt.

Die Irreführung
"Durchschnittliche Produktionskosten bei vergleichbaren Goldprojekten: 150-250 $". Angeführt wird die 70 km entfernte Escay Creek Mine der Barrick als vergleichbares Projekt, was absolut unhaltbar ist. Der Vergleich ist etwa so sinnvoll, wie jemand, der seinen Gebrauchtwagen neben den Ferrari von Michael Schumacher parkt und von seinem Auto behauptet, dass mit einem vergleichbaren Auto die Formel 1 gewonnen werden kann. Genauso gut könnte auch jemand versuchen, Grundstücke auf einen Sandbank 70 km nördlich von Sylt mit dem Hinweis zu verkaufen, dass in einer vergleichbaren Umgebung auf Sylt für Bauland 500 Euro/qm bezahlt werden.

Die Börsenentwicklung
Golden Hand wurde etwa 1 Woche vor der Bewerbung in Frankfurt an der Börse eingeführt. In der Woche zwischen dem 13. und 17.10.03 wurden etwa 100.000 bis 150.000 Aktien umgesetzt wobei der Aktienkurs von 0,50 auf 0,90 Euro nach oben getrieben wurde. In der Woche nach der Werbeaktion wurden dann zwischen dem 20. und 24.10.03 etwa 400.000 Aktien zu Kursen zwischen 0,90 und 1,10 Euro beim deutschen Publikum abgeladen.

Die Gesellschaft
Golden Hand ging am 19.08.03 aus dem erfolglosen Technologieunternehmen Wizbang hervor. Interessant ist die Parallele zur Entwicklung Anfang 2000 als erfolglose Goldexplorationsunternehmen in Technologiewerte umgebaut wurden, um neue Gelder aufnehmen zu können. Aus dem Quartalsbericht für das Septemberquartal, der am 16.10.03 veröffentlicht wurde, geht hervor, dass Golden Hand über einen Cashbestand von 6.624 $ verfügt. Dabei liegen die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei 35.392 $. Der Umsatz lag im Septemberquartal bei Null nachdem er im Vorjahresquartal noch 12.500 $ erreichte. Der Verlust stieg im Septemberquartal auf 22.912 $. Der einzige Aktivposten sind Explorationsrechte im Dalhousie Projekt, die für 10.000 $ erworben wurden. Dabei wurden die 10.000 $ nicht in bar, sondern mit 100.000 Aktien, bewertet mit 0,10 $/Aktie, bezahlt.

Zusammenfassung
Aufsummiert besitzt Golden Hand Explorationswerte im Gegenwert von 10.000 $ und einen Cashbestand von 6.624 $. Bei kurzfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 35.392 $ ergibt sich ein negativer Unternehmenswert von 18.768 $. Die Wirtschaftsprüfer bemerken in ihrem Bericht, dass es erhebliche Zweifel daran gibt, dass Golden Hand die Geschäftstätigkeit aufrechterhalten kann. Dabei liegt der Börsenwert der 10,2 Mio. ausgegebenen Aktien bei dem jetzt auf 1,20 $ hochgetriebenen Aktienkurs bei 12,2 Mio. $ ausserhalb jeder vernünftigen Bewertung.

Insgesamt macht der Vorgang den Eindruck, als ob Golden Hand Aktien in Deutschland zu möglichst hohen Kursen abgeladen werden sollen bevor die Gesellschaft in Konkurs geht. Hierbei scheinen die Altaktionäre auch in Deutschland Helfer gefunden zu haben. Wenn in Deutschland mit der Werbeaktion tatsächlich netto 400.000 Aktien zu etwa 1,00 Euro abgeladen werden konnten, wobei die Aktien maximal 0,10 $ gekostet haben dürften, dann handelt es sich um ein riesiges Geschäft, das sicherlich wert wäre, staatsanwaltlich untersucht zu werden.

Möglicherweise um sich rechtlich abzusichern, bemerkt Schmider Investments in ihrer Analyse, dass "auch die Gefahr eines Totalverlustes bzw. schwerer Kursrückschläge gegeben ist". Wir raten zu äusserster Vorsicht gegenüber allen Quellen, die Golden Hand auch nur als Anlagealternative erwähnt haben und sich damit im Goldbereich disqualifizieren. Gleichzeitig werfen wir der Börsenaufsicht vor, keinen geeigneten Schutz für die Anleger entwickelt zu haben, so dass ein Listing derartiger Gesellschaften in Frankfurt immer noch möglich ist.