Schafft die Notenbanken ab PDF Drucken E-Mail

Der Artikel: Katastrophenhausse „Schafft die Notenbanken ab“ wurde im Handelsblatt online am 09.02.10 veröffentlicht:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-inside/katastrophenhausse-schafft-die-notenbanken-ab;2526280

Katastrophenhausse: „Schafft die Notenbanken ab“ Die laxe Geldpolitik der Notenbanken führe geradewegs in den Crash, sagt Martin Siegel. Die nächste Blase sei bereits aufgepustet. Wenn sie platzt, droht die „Katastrophenhausse“. Warum die Währungshüter eigentlich überflüssig sind und Investmentbanken dem Gemeinwohl eher schaden als nutzen, erklärt der Buchautor und Fondsberater im Interview mit Handelsblatt Online.


von Christian Panster
 
Martin Siegel betreibt die Edelmetallhandelsfirma Westgold.

 

Handelsblatt: Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit frischen Dollar und Euro. Wie beurteilen Sie die Politik des billigen Geldes?

 

Martin Siegel: Sie führt letztlich zum nächsten Crash. Dieses Problem gäbe es nicht, wenn es die Notenbanken nicht geben würde. Nicht die Politik der Notenbanken ist falsch - zumindest nicht ursächlich -, sondern die Institution Notenbank an sich. Aber was bitteschön wollen Sie denn machen, die Notenbanken abschaffen? Das kann doch nicht ernst gemeint sein?
Warum denn nicht? Es wird immer so leicht gesagt, dass es die Notenbanken immer geben wird. Wer Notenbanken einführt, kann sie auch wieder abschaffen - so einfach ist das. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass die Rolle der Notenbanken durchaus kritischer gesehen wird als noch vor Jahren. Damals wurde der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Grennspan, noch als großer Könner gefeiert. Seine expansive Geldpolitik hat dazu geführt, dass sich Vermögensblasen gebildet haben. Bei den Aktien von  Tech-Unternehmen Ende der 1990er-Jahre, bei Hypothekenkrediten wenige Jahre später. Wenn die Blase dann platzt, ist das Gejammer groß, so wie vor gut einem Jahr. Die Auswirkungen der Krise, die als Krise auf dem US-Hypothekenmarkt begann und die von den billigen Dollar der Notenbanken verursacht wurde, werden wir noch lange spüren. Aber um noch mal auf die Frage zurückzukommen: Bis 1914 war das Geld an Gold gebunden und die Industriestaaten verzeichneten zuvor über ein ganzes Jahrhundert ein starkes inflationsfreies Wirtschaftswachstum ohne jede Staatsverschuldung. Die Geschichte ist voll von Brüchen. Wer sagt denn, dass es die Notenbanken bis ans Ende aller Tage geben wird?


Ich bin kein Hellseher.


Sehen Sie, ich auch nicht. So lange gibt es die Notenbanken im Übrigen auch noch gar nicht.
Wie sähe denn die Welt ohne Notenbanken aus?


Sehr viel besser. Für die 100 000 Zentralbankmitarbeiter in aller Welt wäre das zunächst einmal betrüblich; sie wären ihren Job los. Aus volkswirtschaftlicher Sicht aber wäre es ein Segen. Die Zentralbanker könnten sich produktiv einbringen. Schließlich sind das kluge Leute. Sie könnten Wohlstand schaffen, statt ihre Zeit mit irgendwelchen sinnlosen Tätigkeiten zu vergeuden. Eines sollte man sich nämlich immer vergegenwärtigen: Wohlstand schafft man nicht mit der Geldpolitik, wie sie die US-Fed oder EZB betreiben, sondern durch Arbeit, Fleiss und Innovation.

 

Das müssen Sie erläutern.


Wo ist denn der volkswirtschaftliche Mehrwert, den die Notenbanken produzieren? Vereinfacht erschaffen sie Geld aus dem Nichts, verteilen es dann praktisch zum Nulltarif an die Investmentbanken, die es dann möglichst rentabel anlegen und das große Geschäft machen. Bei dem Supermarkt um die Ecke, bei dem kleinen Mittelständler oder Werkzeugfabrikanten kommt von all dem Geld nur wenig an. Die Sparer verlieren ihre Kaufkraft mit der dadurch verursachten Inflation. Die Investmentbanken dagegen fahren Milliardengewinne ein und die Party geht weiter - bis zum nächsten Crash.

 

Lassen Sie mich raten: Die Investmentbanken würden Sie am liebsten auch gleich abschaffen, richtig?


Das müsste ich gar nicht. Denn wenn es keine Notenbanken gäbe, wäre auch das Geschäftsmodell der Investmentbanken obsolet. Woher käme denn dann das viele billige Geld, mit dem die Banken ihre Spekulationen bezahlen könnten? Letztlich, und das sollte man sich immer wieder klar machen, wird bei dem Spielchen, das Notenbank und Investmenthaus betreiben, nur der Wohlstand einer Gesellschaft umverteilt aber kein Wohlstand geschaffen. Am Ende gewinnt immer die (Investment)Bank, wie es so schön heißt. Würde man die Notenbanken abschaffen, hätten Goldman Sachs und all die anderen ein Problem. Sie müssten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken, nämlich die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Klassisches Banking, so wie es beispielsweise die Sparkassen praktizieren.

 

Zurück von der schönen, neuen Welt in die trostlose Gegenwart. Wie wirkt sich die expansive Geldpolitik auf die Finanzmärkte aus?


Durch die Verschiebung der Schulden von den Banken auf die Staatshaushalte wird die Weltfinanzkrise verschlimmert und verlängert. Die nächste Blase hat sich bereits am Anleihemarkt gebildet. Das ist insofern verhängnisvoll, da die riesigen Staatsschulden nicht in den Griff zu bekommen sind und irgendwann weginflationiert werden müssen. Wenn es soweit ist, werden die Investoren aus Anleihen fliehen und ihr Geld stattdessen in Sachwerte stecken. In Immobilien, in Aktien, in Fernseher oder Edelmetalle.


Ihnen dürfte das gut passen; Sie verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Gold.


Mir wäre es lieber, wir hätten das Schulden- und Inflationsproblem nicht und der Goldpreis würde aufgrund des Wohlstandswachstums der ganzen Weltbevölkerung steigen.
Wie hoch wird die Inflationsangst der Anleger den Goldpreis noch treiben?
Das weiß ich nicht. Ich würde schätzen, dass er in zwei Jahren höher liegt als heute. Der Gleichgewichtspreis dürfte aktuell auf einem Niveau zwischen 1400 und 1600 Dollar je Feinunze liegen. Prognosen eines Goldpreises von 5000 Dollar halte ich derzeit für wenig hilfreich. Natürlich kann es sein, dass es irgendwann zu Übertreibungen kommt, so wie zu Neue-Markt-Zeiten am Aktienmarkt; vielleicht klettert dann der Goldpreis auch deutlicher. Seriös ist eine solche Schätzungen aus heutiger Sicht aber nicht.


Und wie sieht ihre Inflationsprognose aus? Wann kommt die große Welle?


Per Definition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ist die Ausweitung der Geldmenge bereits Inflation. Die ausgeweitete Geldmenge schlägt sich zwangsläufig später in steigenden Vermögens- und Güterpreisen nieder. Den Zeitpunkt, an dem die Preise anfangen zu steigen, kann man nicht genau bestimmen, viele Faktoren - zum Teil auch gegenläufige - spielen dabei eine Rolle. Nehmen wir die Rohstoffpreise. Sie steigen, weil viele Spekulanten sich durch Investments in diesem Bereich vor der kommenden Preissteigerungswelle schützen wollen. Auf der anderen Seite werden viele Arbeitsplätze gestrichen. Die sinkenden Einkommen führen dazu, dass ein Teil der Nachfrage weg bricht und so einen Preisanstieg dämpft. Der kritische Punkt wird sein, wenn die Preissteigerungsrate die Zinsen für Sparbücher und Festgelder übersteigt. Wenn an diesem Punkt die Sparer beginnen, ihr wertloser werdendes Papiergeld in Güter anzulegen, wird die Katastrophenhausse mit steigenden Preisen in allen Bereichen starten.


Martin Siegel ist Herausgeber des Börsenbriefes "Goldmarkt", Berater des Stabilitas Pacific Gold+Metals Fonds und Betreiber der Edelmetallhandelsfirma Westgold. Er gilt als ausgewiesener Goldfachmann und ist Buchautor.
© Handelsblatt

 

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Katastrophenhausse: „Schafft die Notenbanken ab“

Die laxe Geldpolitik der Notenbanken führe geradewegs in den Crash, sagt Martin Siegel. Die nächste Blase sei bereits aufgepustet. Wenn sie platzt, droht die „Katastrophenhausse“. Warum die Währungshüter eigentlich überflüssig sind und Investmentbanken dem Gemeinwohl eher schaden als nutzen, erklärt der Buchautor und Fondsberater im Interview mit Handelsblatt Online.

von Christian Panster

Martin Siegel betreibt die Edelmetallhandelsfirma Westgold.

Martin Siegel betreibt die Edelmetallhandelsfirma Westgold.

Handelsblatt: Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit frischen Dollar und Euro. Wie beurteilen Sie die Politik des billigen Geldes?

Martin Siegel: Sie führt letztlich zum nächsten Crash. Dieses Problem gäbe es nicht, wenn es die Notenbanken nicht geben würde. Nicht die Politik der Notenbanken ist falsch - zumindest nicht ursächlich -, sondern die Institution Notenbank an sich.

Aber was bitteschön wollen Sie denn machen, die Notenbanken abschaffen? Das kann doch nicht ernst gemeint sein?

Warum denn nicht? Es wird immer so leicht gesagt, dass es die Notenbanken immer geben wird. Wer Notenbanken einführt, kann sie auch wieder abschaffen - so einfach ist das. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass die Rolle der Notenbanken durchaus kritischer gesehen wird als noch vor Jahren. Damals wurde der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Grennspan, noch als großer Könner gefeiert. Seine expansive Geldpolitik hat dazu geführt, dass sich Vermögensblasen gebildet haben. Bei den Aktien von Tech-Unternehmen Ende der 1990er-Jahre, bei Hypothekenkrediten wenige Jahre später. Wenn die Blase dann platzt, ist das Gejammer groß, so wie vor gut einem Jahr. Die Auswirkungen der Krise, die als Krise auf dem US-Hypothekenmarkt begann und die von den billigen Dollar der Notenbanken verursacht wurde, werden wir noch lange spüren. Aber um noch mal auf die Frage zurückzukommen: Bis 1914 war das Geld an Gold gebunden und die Industriestaaten verzeichneten zuvor über ein ganzes Jahrhundert ein starkes inflationsfreies Wirtschaftswachstum ohne jede Staatsverschuldung. Die Geschichte ist voll von Brüchen. Wer sagt denn, dass es die Notenbanken bis ans Ende aller Tage geben wird?

Ich bin kein Hellseher.

Sehen Sie, ich auch nicht. So lange gibt es die Notenbanken im Übrigen auch noch gar nicht.

Wie sähe denn die Welt ohne Notenbanken aus?

Sehr viel besser. Für die 100 000 Zentralbankmitarbeiter in aller Welt wäre das zunächst einmal betrüblich; sie wären ihren Job los. Aus volkswirtschaftlicher Sicht aber wäre es ein Segen. Die Zentralbanker könnten sich produktiv einbringen. Schließlich sind das kluge Leute. Sie könnten Wohlstand schaffen, statt ihre Zeit mit irgendwelchen sinnlosen Tätigkeiten zu vergeuden. Eines sollte man sich nämlich immer vergegenwärtigen: Wohlstand schafft man nicht mit der Geldpolitik, wie sie die US-Fed oder EZB betreiben, sondern durch Arbeit, Fleiss und Innovation.

Das müssen Sie erläutern.

Wo ist denn der volkswirtschaftliche Mehrwert, den die Notenbanken produzieren? Vereinfacht erschaffen sie Geld aus dem Nichts, verteilen es dann praktisch zum Nulltarif an die Investmentbanken, die es dann möglichst rentabel anlegen und das große Geschäft machen. Bei dem Supermarkt um die Ecke, bei dem kleinen Mittelständler oder Werkzeugfabrikanten kommt von all dem Geld nur wenig an. Die Sparer verlieren ihre Kaufkraft mit der dadurch verursachten Inflation. Die Investmentbanken dagegen fahren Milliardengewinne ein und die Party geht weiter - bis zum nächsten Crash.

Lassen Sie mich raten: Die Investmentbanken würden Sie am liebsten auch gleich abschaffen, richtig?

Das müsste ich gar nicht. Denn wenn es keine Notenbanken gäbe, wäre auch das Geschäftsmodell der Investmentbanken obsolet. Woher käme denn dann das viele billige Geld, mit dem die Banken ihre Spekulationen bezahlen könnten? Letztlich, und das sollte man sich immer wieder klar machen, wird bei dem Spielchen, das Notenbank und Investmenthaus betreiben, nur der Wohlstand einer Gesellschaft umverteilt aber kein Wohlstand geschaffen. Am Ende gewinnt immer die (Investment)Bank, wie es so schön heißt. Würde man die Notenbanken abschaffen, hätten Goldman Sachs und all die anderen ein Problem. Sie müssten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken, nämlich die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Klassisches Banking, so wie es beispielsweise die Sparkassen praktizieren.

Zurück von der schönen, neuen Welt in die trostlose Gegenwart. Wie wirkt sich die expansive Geldpolitik auf die Finanzmärkte aus?

Durch die Verschiebung der Schulden von den Banken auf die Staatshaushalte wird die Weltfinanzkrise verschlimmert und verlängert. Die nächste Blase hat sich bereits am Anleihemarkt gebildet. Das ist insofern verhängnisvoll, da die riesigen Staatsschulden nicht in den Griff zu bekommen sind und irgendwann weginflationiert werden müssen. Wenn es soweit ist, werden die Investoren aus Anleihen fliehen und ihr Geld stattdessen in Sachwerte stecken. In Immobilien, in Aktien, in Fernseher oder Edelmetalle.

Ihnen dürfte das gut passen; Sie verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Gold.

Mir wäre es lieber, wir hätten das Schulden- und Inflationsproblem nicht und der Goldpreis würde aufgrund des Wohlstandswachstums der ganzen Weltbevölkerung steigen.

Wie hoch wird die Inflationsangst der Anleger den Goldpreis noch treiben?

Das weiß ich nicht. Ich würde schätzen, dass er in zwei Jahren höher liegt als heute. Der Gleichgewichtspreis dürfte aktuell auf einem Niveau zwischen 1400 und 1600 Dollar je Feinunze liegen. Prognosen eines Goldpreises von 5000 Dollar halte ich derzeit für wenig hilfreich. Natürlich kann es sein, dass es irgendwann zu Übertreibungen kommt, so wie zu Neue-Markt-Zeiten am Aktienmarkt; vielleicht klettert dann der Goldpreis auch deutlicher. Seriös ist eine solche Schätzungen aus heutiger Sicht aber nicht.

Und wie sieht ihre Inflationsprognose aus? Wann kommt die große Welle?

Per Definition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ist die Ausweitung der Geldmenge bereits Inflation. Die ausgeweitete Geldmenge schlägt sich zwangsläufig später in steigenden Vermögens- und Güterpreisen nieder. Den Zeitpunkt, an dem die Preise anfangen zu steigen, kann man nicht genau bestimmen, viele Faktoren - zum Teil auch gegenläufige - spielen dabei eine Rolle. Nehmen wir die Rohstoffpreise. Sie steigen, weil viele Spekulanten sich durch Investments in diesem Bereich vor der kommenden Preissteigerungswelle schützen wollen. Auf der anderen Seite werden viele Arbeitsplätze gestrichen. Die sinkenden Einkommen führen dazu, dass ein Teil der Nachfrage weg bricht und so einen Preisanstieg dämpft. Der kritische Punkt wird sein, wenn die Preissteigerungsrate die Zinsen für Sparbücher und Festgelder übersteigt. Wenn an diesem Punkt die Sparer beginnen, ihr wertloser werdendes Papiergeld in Güter anzulegen, wird die Katastrophenhausse mit steigenden Preisen in allen Bereichen starten.

Martin Siegel ist Herausgeber des Börsenbriefes "Goldmarkt", Berater des Stabilitas Pacific Gold+Metals Fonds und Betreiber der Edelmetallhandelsfirma Westgold. Er gilt als ausgewiesener Goldfachmann und ist Buchautor.

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