02/06 Der Markt schreit nach einer Korrektur PDF Drucken E-Mail

Die Hausse am Goldmarkt läuft. Nach den von uns ausführlich kommentierten Kaufsignalen (vgl. Ausgabe 16/05 vom 10.08.05: "Goldhausse beginnt" und Ausgabe 23/05 vom 30.11.05: "500") befindet sich der Goldmarkt in der von uns seit vielen Jahren prognostizierten Aufwärtsbewegung.

Alle positiven Einflußfaktoren, vor allem die steigende Nachfrage aus China und Indien, aber auch von westlichen Investoren bei einer konstanten oder sogar leicht fallenden Minenproduktion bleiben erhalten. Die langfristige Krise im Banken- und Finanzsystem bleibt unlösbar und die Verschuldung der Staaten gerät zunehmend außer Kontrolle. Die aktuelle Krise um offene Immobilienfonds (vgl. Schlagzeile vom 20.01.06) ist ein weiteres kleines Steinchen auf dem Weg der Erkenntnis der Anleger, daß über den sich anbahnenden Zusammenbruch des Papiergeldsystems nur Sachwerte und hier vor allem das fungible Gold hinweg helfen werden.

Derzeit arbeiten 2 Strömungen am Markt frontal gegeneinander. Einerseits zeigt unsere Analyse an, daß der Goldpreis längerfristig die Marke von 700 $/oz fast zwangsläufig erreichen wird. Andererseits deutet die aktuelle Entwicklung auf eine Überhitzung des Markts hin, so daß kurzfristige Einbrüche jeden Tag wahrscheinlicher werden.

Längerfristig dominiert die Politik der Zentralbanken den Goldpreis. Immerhin haben die Zentralbanken in den letzten Jahren durch ihre Verkäufe permanent etwa 20 % des Angebots bereitgestellt. Wenn die Zentralbanken kein Gold mehr verkaufen wollen oder allerspätestens dann, wenn kein Gold mehr verfügbar ist, weil sämtliche Bestände verkauft wurden, muß der Goldpreis steigen. Unter den heutigen Bedingungen (Angebot, Nachfrage, Minenproduktion, Produktionskosten, Arbeitskosten...) könnte ein Marktausgleich ohne das Angebot der Zentralbanken bei etwa 700 $/oz hergestellt werden. Ohne Zweifel wird der Goldpreis in einer Hausse über diese Marke hinausgetragen und da der historische Höchstkurs von 871 $/oz und die 1.000 $/oz-Marke nicht fern sind, ist ein Preisanstieg auch über diese Marken wahrscheinlich.

Bislang wird der Markt von seriösen, werteorientierten Analysten und Anlegern dominiert, die grundsätzlich zur Absicherung in Gold und Goldaktien investieren und in den allermeisten Fällen seit vielen Jahren, teilweise seit den 60er und 70er Jahren im Markt aktiv sind und ihn lieben gelernt haben. Seit 2001 zahlt sich das Engagement dieser Anleger mit soliden Gewinnen aus.

Wie jeder Markt, der länger läuft, wird jetzt auch der Goldmarkt von Spielern, Spinnern und Betrügern entdeckt und bearbeitet. Die Marktteilnehmer, die jetzt in den Goldmarkt einsteigen, zeichnen sich auf der Empfehlungsseite dadurch aus, daß sie den Markt nicht oder nur wenig kennen, ihn nicht beurteilen können und im Prinzip auch gar nicht daran interessiert sind, längerfristig erfolgreiche Empfehlungen auszusprechen. Meistens werden von diesen Promotern kleine Gesellschaften als Anlageempfehlung ausgewählt, bei denen sich die Aktien in wenigen Händen befinden, die dann in Deutschland mit relativ geringen Umsätzen nach oben gepuscht werden, um sie völlig überteuert bei gierigen und ahnungslosen Investoren abzuladen. Die neu in den Markt eintretenden Anleger zeichnen sich in vielen Fällen dadurch aus, daß sie eigentlich gar kein Interesse daran haben, den Markt und die Unternehmen zu verstehen, in die sie investieren. Stattdessen stürzen sie sich gierig auf jede nur halbwegs vernünftig erscheinende Geschichte, nur um die "300 % Chance" nicht zu verpassen. Von steigenden Kursen und Anfangserfolgen angelockt, werden von diesen "Anlegern" Aktien gekauft, die nicht den Bruchteil davon wert sind, für den sie gehandelt werden. Während die Promoter ihre Aktien innerhalb von wenigen Wochen mit Gewinnen von teilweise mehreren 100 % beim ahnungslosen Publikum abladen, sitzen die Käufer dann auf Papieren, die nur an genauso ahnungslose Anleger zu höheren Preisen weiterverkauft werden können.

Wenn die Promoter ihre Aktien verkauft haben, beginnt der Kurs nach wenigen Tagen oder Wochen in den allermeisten Fällen gnadenlos zu fallen und die Anleger sitzen auf sogenannten unver-käuflichen Depotleichen. Ein realer Fall: Ein Anleger berichtet uns, daß er vor 1 Jahr 4 derartige "Goldwerte" gekauft hat und jetzt auf einem Verlust von durchschnittlich 80 % sitzt - und dies mitten in der Goldhausse. Das Problem ist, daß diese Aktien von der Euphorie der Neueinsteiger zunächst noch weiter nach oben getragen werden und wegen ihrer Marktenge oft spektakuläre Kursgewinne verzeichnen. Bei fallenden Kursen oder in einer längeren Korrektur sind diese Aktien dagegen praktisch unverkäuflich. Kandidaten hierfür sind derzeit Anaconda Gold, Bravo Venture Group, Globex, Miranda Diamond, Nevada Pacific Gold, NFX Gold, Ona Exploration, Paramount Gold, Sparton Resources und Vendron Gold (zufällige Auswahl). In den allerwenigsten Fällen gelingt eine solide Unternehmensentwicklung. Und wenn diese dann tatsächlich in einem Einzelfall eintritt, wird diese Aktie dann als Köder benutzt um 10 weitere wertlose Gesellschaften zu puschen.

Für den Neueinsteiger ist praktisch nicht zu erkennen, ob ein Kursanstieg gerechtfertigt ist oder nicht. Beispielsweise beurteilen wir St Barbara nach dem Anstieg um 300 % innerhalb von 6 Monaten weiterhin als Kaufempfehlung. Bei St Barbara halten wird den Kursanstieg für gerechtfertigt, weil die Gesellschaft gezeigt hat, daß sie profitabel produzieren kann, daß das Management die Ziele umsetzen und übertreffen kann und die Gesellschaft im Vergleich zu anderen Gesellschaften hinsichtlich der Reserven, Ressourcen und Wachstumsmöglichkeiten weiterhin unterbewertet ist. Der Kursanstieg der St Barbara ist hiermit fundamental untermauert. Die Kursanstiege der Promotergesellschaften beruhen dagegen nur auf der Tatsache, daß viele Investoren einer Geschichte oder auch nur steigenden Aktienkursen hinterherlaufen und fast wertlose Papiere zu immer höheren Kursen kaufen. Investments in Promoterwerten eignen sich längerfristig nur für Insider, die den Promoter persönlich kennen und wissen, was wann gespielt wird.

Dabei gibt es immer noch genügend solide Papiere die bei einem kalkulierten Risiko eine Chance auf eine Kursanstieg von mehreren 100 % bieten. Erfolgreiche Beispiele hierfür sind die australischen Jubilee und Kingsgate, die ihre Anleger aufgrund der erfolgreichen Geschäftsentwicklung nicht nur mit Kursgewinnen, sondern auch mit Dividendenzahlungen von teilweise jährlich über 10 % förmlich überschüttet haben. Weitere Beispiele, die noch über ein erhebliches Aktienkurspotential verfügen, das auch fundamental gerechtfertigt ist, finden Sie in jeder Ausgabe des Goldmarkts.

Die wichtigsten Kriterien, um bei der Aktienauswahl nicht auf Promoterwerte hereinzufallen:

  1. Dividendenzahlungen: Erwirtschaftet ein Unternehmen eine Dividendenrendite von über 2 %, dann verfügt das Unternehmen zu 90 % über eine solide Produktion, ein gutes Management und eine ausreichende Lebensdauer der Reserven.
  2. Wachstum: Viele Unternehmen investieren ihre Gewinne in weitere Projekte und zahlen keine Dividenden aus. Diese Unternehmen sollten eine über mehrere Jahre steigende Produktion und steigende Reserven- und Ressourcen in weiteren Projekten ausweisen.
  3. Potential: Einige Unternehmen, die noch nicht in Produktion sind, empfehlen sich ebenfalls als Investment. Diese Werte zeichnen sich durch ein Wachstum der Reserven und Ressourcen aus, die ökonomisch verwertbar sind und in politisch unproblematischen Regionen erschlossen werden.

Nur in seltenen Ausnahmefällen, die genauestens analysiert werden müssen und für Neueinsteiger nicht zu empfehlen sind, eignen sich Unternehmen für Investments, die

  1. keine Produktion haben
  2. keine Gewinne erwirtschaften
  3. keine Reserven und Ressourcen ausweisen
  4. über weniger als 1 Mio $ cash verfügen
  5. seit weniger als 3 Jahren an der Börse als Goldwert notiert sind
  6. von Managern geführt werden, die früher im IT-Bereich aktiv waren
  7. die in politisch problematischen Regionen aktiv sind
  8. an der Heimatbörse weitaus geringere Umsätze haben als in Deutschland

Puschergesellschaften erfüllen meistens mehrere dieser Kriterien und werden mit Blindgängerparolen wie: "2006 % in 2006", "1300 % mit 10.000 E" oder "300 % Goldrakete" promotet, so daß sich hier bereits zum Beginn der Goldhausse längerfristig Blutbäder abzeichnen, die mit denen des "Neuen Marktes" oder aktuell mit der japanischen Internetfirma Lifedoor vergleichbar sind (vgl. Schlagzeile vom 18.01.06).