25/06 Diskussion über den Goldstandard (3. Teil) PDF Drucken E-Mail

Der 1. und 2. Teil der Diskussion wurden in den Ausgaben 23/06 und 24/06 veröffentlicht.

In den ersten beiden Teilen der Diskussion wurden die Vorteile des Goldstandards gegenüber dem aktuellen Papiergeldsystem und die Wirkungsweise des Goldstandards an einem vereinfachten Wirtschaftsmodell dargestellt. In dem Modell wurde aufgezeigt, daß bei einem Goldstandard Innovationen zu fallenden Preisen bestimmter Produkte führen können und daß die Inflationierung in einem Papiergeldsystem zu Verteilungsungerechtigkeiten führt. Es wurde auch aufgezeigt, wie bei einem Goldstandard, Geld für Investitionen bereitgestellt wird.

Hierzu jetzt die Reaktion von Herrn Niquet:
„Was passiert in Ihrem Modell nun jedoch, wenn neben den PC und den Autos plötzlich das Privatflugzeug erfunden und marktgängig wird? Bei einer konstanten Goldmenge ist das Privatflugzeug dann nur finanzierbar, wenn gleichzeitig die Preise für Autos und/oder PCs fallen. Doch warum muß das so sein? Wenn neue Güter produziert werden, kann doch auch das Geld ausgedehnt werden. Bei einem Goldstandard Ihrer Konzeption ist die Finanzierung der neuen Güter jedoch nur bei Preissenkungen für die anderen Güter möglich. In Ihrem Modell müssen die anderen Güter gleichsam „Platz machen“ für das neue Gut. Ich denke daher, wir sollten diese Überlegungen nicht weiter verfolgen.“

Offensichtlich ist die Verankerung der Gedanken im aktuellen Papiergeldsystem so stark, daß es gar nicht mehr möglich ist, in Alternativen nachzudenken. Nicht vergessen werden sollte dabei, daß der Goldstandard über 100 Jahre inflationsfreies und verschuldungsfreies Wachstum in Europa ermöglicht hat. Es handelt sich damit nicht etwa nur um eine blanke realitätsferne Theorie. Der Satz: „ Bei einer konstanten Goldmenge ist das Privatflugzeug dann nur finanzierbar, wenn gleichzeitig die Preise für Autos und/oder PCs fallen“ macht deutlich, in welcher Denkfalle Herr Niquet sitzt. Selbst wenn es so wäre, daß bei einem Goldstandard die Preise mancher Güter fallen, was noch zu prüfen wäre, was ist denn so schlimm an fallenden Preisen? Ich kenne weitaus mehr Menschen, die sich über steigende Preise aufregen als über fallende Preise. Fallende Preise bei einem gleichbleibenden Einkommen bedeuten Wohlstandswachstum. Wollen wir das etwa nicht? Sind wir mittlerweile so vernagelt, daß wir das nicht mehr verstehen können und ist unser Geldmengenausweitungs-Enteignungssystem so tief in unseren Köpfen verankert, daß wir ohne die Realität des permanenten Wohlstandsverlustes zugunsten der Geldlobby gar nicht mehr leben wollen?

Doch nun zur konkreten Anfrage, was passiert, wenn bei einem Goldstandard ein neues Produkt erfunden und marktgängig gemacht wird. Zunächst wird einfach mal so die ungeprüfte Behauptung aufgestellt, daß bei einer konstanten Geldmenge ein neues Produkt nur finanzierbar ist, wenn gleichzeitig die Preise für andere Güter fallen. Aufbauend auf die ungeprüfte Behauptung werden dann Schlußfolgerungen gezogen. Doch wenn schon die Behauptung nur aus der Luft gegriffen ist, was sind dann die Schlußfolgerungen wert?

Wir sind in unserem Modell davon ausgegangen, daß es eine bestimmte Geldmenge gibt, die 1:1 in Gold tauschbar ist, daß es verschiedene Güter gibt, für die sich am Markt Preise einstellen. Um das Verständnis der Wirkungsweise zu erleichtern wurde die Vorstellung entwickelt, daß alle Produkte in einem Tauschverhältnis zueinander stehen.

Im Kern geht es um die Frage, wie Wohlstand entsteht und wie Preise ermittelt werden. Für das Wohlstandswachstum ist aber keineswegs eine Ausweitung der Geldmenge erforderlich. Wohlstand entsteht durch Arbeit und Fleiß. Greifen wir das Beispiel von Herrn Niquet auf. Es gibt einen findigen Ingenieur, der kauft sich ein paar Rohstoffe und baut daraus ein Flugzeug. Aus dem Wert der Rohstoffe von 10.000 Goldmark entsteht ein Flugzeug im Wert von 100.000 Goldmark. Nehmen wir an, daß er 10.000 Goldmark Eigenkapital gehabt hat und das Flugzeug alleine in Handarbeit hergestellt hat, was auch in einem Papiergeldsystem möglich wäre. Wozu muß dann für den neu geschaffenen Wert von 90.000 Goldmark ein Kredit aufgenommen werden?
Wichtig: Eine Ausweitung der Geldmenge erfolgt im Papiergeldsystem ausschließlich über die Aufnahme von Krediten! Ein anderes Beispiel verdeutlicht die Aussage vielleicht noch etwas deutlicher: Sie gehen in den Bergen spazieren und finden in einer Höhle einen schönen Kristall, den Sie für 100 Goldmark verkaufen. Warum soll für diesen Kristall ein Kredit aufgenommen werden? Bei einem Goldstandard können Sie den Kristall gegen 10 Gramm Gold (100 Goldmark) oder über den Umweg der 100 Goldmark in jedes andere Produkt tauschen. Warum sollte für diesen Fund die Geldmenge erhöht werden? Muß dafür jemand zur Bank gehen, einen Kredit aufnehmen und dafür Zinsen zahlen? Was passiert, wenn der Kristall herunterfällt, zerbricht und damit wertlos wird? Bei einem Goldstandard würde der Betroffene durch seine Arbeit Geld verdienen und den erlittenen Wohlstandsnachteil wieder ausgleichen. Im Papiergeldsystem muß er durch seine Arbeit den Wohlstandsnachteil ausgleichen und zusätzlich Zinsen für das kredit-finanzierte Papiergeldsystem erwirtschaften. Wozu? Nur damit der Aufbau einer Derivateblase mit einem Volumen von 270.000 Mrd $ ermöglicht wird und die New Yorker Banken 2006 Provisionen in Höhe von 36 Mrd $ verteilen können?

Zurück zum Privatflugzeug. Es wurde also gebaut und steht für 100.000 Goldmark zum Verkauf. Auf der anderen Seite stehen 10 Käufer, die jeder 10.000 Goldmark durch Arbeit verdient (ertauscht) haben und das Flugzeug erwerben wollen. Alternativ könnten Sie selbstverständlich auch 3,33 Autos kaufen, die in unserem Modell 30.000 Goldmark kosten. Was passiert nun in den unterschiedlichen Systemen? Bei einem Goldstandard haben die Käufer die Möglichkeit, sich zwischen dem Flugzeug und den Autos zu entscheiden. Dies ist aber in einem Papiergeldsystem nicht anders. Wenn bei einem Goldstandard durch die Entscheidung der Käufer für das Flugzeug, die Autopreise fallen, dann gilt das selbe doch auch im Papiergeldsystem, denn das durch Einkommen zur Verfügung stehende Geld wäre im Papiergeldsystem nicht höher. Der große Irrglaube ist, daß eine Erhöhung der Geldmenge zu einer Erhöhung der verfügbaren Einkommen führt und damit den Wohlstand vergrößert. In Wirklichkeit verteilt sich aber nur mehr kredit-finanziertes Geld auf die selbe Anzahl von Gütern. In beiden Systemen kann sich also bei einem Preis für 1 Auto von 30.000 Goldmark ein Preis für 1 Flugzeug von 100.000 Goldmark einstellen. In beiden Systemen richtet sich der Preis nach Angebot und Nachfrage. Die Frage ist dann, ob sich die Käufer für die Autos oder das Flugzeug entscheiden. In beiden Fällen ist das zur Verfügung stehende Einkommen gleich hoch. Wenn sich die Käufer für das Flugzeug entscheiden, kann es sein, daß der Preis für das Auto fällt, weil die Nachfrage nachläßt. Dies ist das Spiel in einer Marktwirtschaft und gilt in jedem Währungssystem (also auch bei einem Geldmengenwachstum und einer Inflationsrate von 100 %). Entweder der Autoproduzent kann diesen Preisverfall durch Innovationen ausgleichen oder er wird vom Flugzeugproduzenten verdrängt. Bei einem Goldstandard führt dies dazu, daß andere Marktteilnehmer mehr Autos kaufen können und ihr Wohlstand dadurch wächst. Ich würde dies als positiv bezeichnen. Bei einem Papiergeldsystem würde die kreditfinanzierte Geldmenge erhöht, so daß die Autopreise optisch stabil bleiben und andere Marktteilnehmer zunächst nicht vom Wohlstandswachstum profitieren können. Aber auch im Papiergeldsystem muß der Autoproduzent auf die Konkurrenz des Flugzeugproduzenten reagieren und Innovationen umsetzen, um gegen den neuen Anbieter bestehen zu können und keine Umsätze zu verlieren. Der einzige Unterschied ist, daß das System insgesamt durch neu geschaffenes, gegen Zinsen von der Zentralbank ausgegebenes Geld belastet wird.

Jetzt mag der Einwand kommen, daß im Papiergeldsystem Kredite aufgenommen werden können, so daß sowohl die Autos, als auch das Flugzeug gekauft werden können. In diesem Fall entsteht neues Geld, das mit Zinsen belastet ist. Durch zukünftige Arbeit muß dann der Gegenwert des Flugzeugs verdient werden. Dies ist aber bei einem Goldstandard nicht anders. Auch bei einem Goldstandard können Kredite aufgenommen werden und so der aktuelle Konsum mit zukünftiger Arbeit bezahlt werden. Bei einem Goldstandard entsteht jedoch kein neues Geld, das durch Zinsen belastet ist. Bei einem Goldstandard wird Geld direkt oder indirekt über einen Bank von jemandem, der auf den aktuellen Konsum verzichtet, gegen eine Vergütung verliehen. Der Unterschied liegt also darin, daß bei einem Papiergeldsystem eine ganze Pyramide von Zinsen im Bankensystem mitgetragen und finanziert werden müssen, bei einem Goldstandard jedoch nur minimale Zinsen bezahlt werden müssen, da die Geldmenge nicht inflationär aufgebläht wird und den Banken nur eine Bearbeitungsgebühr für die Vermittlung der Kreditvereinbarungen zur Verfügung gestellt werden muß.