Leserbrief an das Handelsblatt zur Unterstellung von "teilweise verworrenen Verschwörungstheorien" des US-Abgeordneten Ron Paul, der seit 1971 die Abschaffung der Fed fordert PDF Drucken E-Mail

Sehr geehrter Herr Benders,

 

vielen Dank für Ihren wunderbaren Artikel über Ron Paul!

 

Es ist allerdings schon tragisch, dass demjenigen „teilweise verworrene Verschwörungstheorien“ unterstellt werden, der die Ursachen für die aktuelle Finanzkrise exakt vorhergesagt hat und Lösungen für sie anbietet. Während des Goldstandards gab es zwischen 1814 und 1914 über 100 Jahre ein inflationsfreies Wachstum ohne jede Staatsverschuldung. Nebenbemerkung: Ist es nicht sensationell von Ron Paul als einzigem Republikaner das Lügengebäude um die Massenvernichtungswaffen des Irak durchbrochen zu haben und so standhaft zu sein, gegen die eigene Partei und die manipulierte Masse der Bevölkerung zu stimmen?

 

Diejenigen, die mit ihren untauglichen Theorien (Keynes, Monetaristen… ) die aktuelle Krise verursacht und natürlich nicht erkannt haben, bleiben unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Seriösität, obwohl die aus dieser „Wissenschaft“ hervorgebrachten Nobelpreisträger als Berater den LTCM-Fonds mit Milliardenverlusten an die Wand gefahren haben.

 

Und so schließt sich wieder der Kreis von Bankern und Zentralbankern, die fürstlich vom System leben, von Politikern, die von den Banken bezahlt werden und keine Ahnung haben, von „Wirtschaftswissenschaftlern“, die die Legitimation (gegen Bezahlung der Lehrstühle) liefern und von Journalisten, die den von den Banken und Notenbanken produzierten Mainstream übernehmen.

 

Die Folge ist eine unnötige Verlängerung der Weltwirtschaftskrise, ein unglaublicher Wohlstandsverlust für die breite Masse der Weltbevölkerung und die Stützung des Blutsaugersystems des Bankenapparats (s. Herr Michael Maisch im heutigen Handelsblatt Seite 8: „In den 60er Jahren machten die Gewinne des Finanzsektores in den Industriestaaten etwa zehn Prozent der gesamten Unternehmensprofite aus. 45 Jahre später lag diese Rate in den USA bereits bei 35 Prozent“). Wenn Sie die Bonuszahlungen, die nicht als Gewinne ausgewiesen werden einbeziehen, dürfte der Bankenapparat heute etwa 50 % der Gewinne aus dem System herausziehen. Wie soll das vom Steuerzahler auf Kredit finanzierte Schmarotzersystem dauerhaft erhalten bleiben können?

 

Prüfen Sie Ron Paul, die Österreichische Schule und mich an der Aussage über die nächste Blase. Sie wird nicht erst aufgeblasen, sie existiert bereits, wird aber nicht erkannt und soll auch nicht erkannt werden. Die enorme Ausweitung der Geldmenge hat bei Staatsanleihen und Unternehmensanleihen eine enorme Blase entstehen lassen. Diese wird in den nächsten Jahren platzen und sich in einer weltweiten Inflationswelle, dem nach von Mises sogenannten Crack-up Boom, ergießen. Das weltweite Konglomerat von Zentralbankern, Bankern, Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten will oder kann diese Entwicklung wegen der falschen theoretischen Grundlagen der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft (die uns in die aktuelle Krise gebracht hat) nicht erkennen und sagt und für die nächsten Jahre eine inflationsarme wirtschaftliche Erholung voraus, in der die Geldmengen und die Staatsverschuldungen wieder zurückgeführt werden können. Dies wird sich wie die Aussage von Peer Steinbrück, den Haushalt 2011 ausgleichen zu können, als blanker Unsinn heraustellen. Die komplette Fehleinschätzung der Aktienmärkte, der Öl- und Rohstoffmärkte, der Edelmetallmärkte und teilweise der Immobilienmärkte seit dem Jahresbeginn sind ein erstes Zeichen für die Fehleinschätzung des Mainstreams.

 

Es wird Zeit, dass sich Journalisten für die Wirtschaftstheorie interessieren, die bereits die Weltwirtschaftskrise 1929-1934 erklärt hat und Lösungen anbietet. Dazu wird am 2. und 3. Oktober in Wien ein Kongress angeboten: „Lehren aus der Krise – Lernen für die Zukunft“ Kongress zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der neben den Sprechern John Naisbitt, Marc Faber und Thorsten Polleit immerhin unter dem Patronat des österreichischen Vizekanzlers und des österreichischen Wirtschaftsministers steht – oder sind dies alles Anhänger von „teilweise verworrenen Verschwörungstheorien“?

Mit freundlichen Grüßen

Martin Siegel