07/08 Physische Edelmetallmärkte vor dem Zusammenbruch PDF Drucken E-Mail

1. Verrückte Entwicklung am Goldmarkt

Mit dem erneuten Goldpreisrückgang am 31.03.08 wird die Situation am Goldmarkt immer verrückter. Auf dem Papiergoldmarkt (ETF, Zertifikate…) fällt der Goldpreis noch weiter zurück, während sich die Nachfrage nach physischem Gold auf Rekordniveaus befindet. Es ist völlig illusorisch, am Markt Krügerrand, Maple Leaf oder Australian Nugget zum aktuellen Goldpreis kaufen zu können. Die Aufschläge steigen immer höher, je weiter der Preis zurückfällt. Dabei ist der Markt für Sekundärware praktisch leergefegt, so daß auch mit hohen Aufschlägen auf den Goldpreis nur wenig Ware zur Verfügung steht. Selbst für Standard-Goldbarren werden Lieferzeiten von 4 Wochen genannt.

Noch dramatischer ist die Entwicklung am Silbermarkt. Obwohl die Canadian Mint die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 50 % erhöht hat, gibt es wieder Lieferzeiten von etwa 4 Wochen. Nach unserer Erfahrung mit der Canadian Mint, dürften sich diese innerhalb der nächsten Tage auf etwa
6 Wochen erhöhen. Die US-Mint hat den Verkauf eingestellt und veröffentlicht seit der Einstellung des Verkaufs keinerlei Informationen, wann wieder mit einer Belieferung gerechnet werden kann. Die Münze Österreich hat enorme Mühe, die Nachfrage nach den Philharmonikern ohne Lieferzeiten zu befriedigen. Nachdem die Perth Mint die Produktionskapazität für die 1 kg-Münzen etwa verdoppelt hat, sind hier bislang noch keine Lieferzeiten zu verzeichnen. Dies liegt aber vor allem daran, daß viele Händler die Münzen in den letzten Monaten wegen der extrem schlechten Marktversorgung aus dem Sortiment genommen haben.

Vor diesem Hintergrund erscheinen in der Welt und im Spiegel Online am 20.03.08 Artikel mit den Titeln in der Welt: „Wegen Preisrallye: Juweliere werden mit Gold überschüttet“ und im Spiegel Online: „So profitieren Privatanleger vom Goldboom“.
Im Artikel in der Welt berichtet Willy Fischel, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck und Uhrenfachgeschäfte von einem Zuwachs von 40 % bei der Rücknahme von Schmuck. Angaben über die absolute Höhe der Rücknahmen werden nicht gemacht. Die Qualität des Artikels offenbart sich in der Äußerung Fischels. „Wer da Goldteile verkauft, macht in der Regen einen richtig guten Gewinn“. Der Besitzer könne in machen Fällen das Doppelte des ursprünglichen Kaufpreises erhalten. „Wenn zum Beispiel jemand im Jahr 1970 ein breites italienisches Armband für 600 D-Mark gekauft hat, bekommt heute dafür möglicherweise 600 Euro angerechnet,“ wird Karl-Eugen Friedrich, Inhaber der Kölner Juwelierhandlung Linn zitiert. Kritische Leser merken sofort, daß es darum geht, den mehr oder weniger ahnungslosen Gold(schmuck)-Besitzern, ihr wertvolles Gold zum Schnäppchenpreis abzuquatschen. Welche Absicht sich tatsächlich hinter den primitiven Äußerungen verbirgt, zeigt ein Blick auf die Goldpreisentwicklung. So lag der Durchschnittspreis 1970 bei 35 $/oz und 2007 bei 695 $/oz, was nicht dem doppelten sondern dem 20-fachen entspricht. Dies ist die katastrophale Wahrheit der Geldanlage in Goldschmuck.

Im Artikel im Spiegel Online heißt es: „Wer bessere Nerven hat, verkauft jetzt seine Goldbarren – und fährt einen dicken Gewinn ein“. Uns ist nicht bekannt, daß im Spiegel Online jemals ein Artikel aufgetaucht ist, in dem zum Goldkauf geraten wurde. Es wird also Goldbesitzern nahegelegt, Gold zu verkaufen, das sie als unkritischer Spiegel-Leser nie gekauft hätten. Zitiert wird Susanne Toren von der Zürcher Kantonalbank: „Für die nächsten zwölf Monate gehen wir von einem Preis von 800 Dollar aus. Wer sich überlegt hat, jemals seine Goldmünzen zu verkaufen, sollte es jetzt tun“. Immerhin wird in dem Artikel auch die Hamburger Sparkasse zitiert, die über immer mehr Anleger berichtet, die für 100.000 bis 150.000 Euro Goldbarren kaufen. Die Hamburger Sparkasse erwartet für die nächsten
12 Monate einen Goldpreis von 1.250 $/oz.

Nach unserer Einschätzung kann die aktuelle Situation am Goldmarkt keinen Bestand haben. Es kann nicht sein, daß am physischen Markt für Gold dauerhaft hohe Aufpreise bezahlt werden und daß am Papiergoldmarkt dauerhaft niedrigere Preise akzeptiert werden, zu denen das Gold physisch überhaupt nicht lieferbar ist. Wir erwarten, daß die Preise am Papiergoldmarkt sprunghaft nach oben steigen werden, wenn den Anlegern klar wird, daß die unrealistisch tiefen Preise aufgrund der Angebots- und Nachfragesituation am physischen Markt nicht haltbar sind. Dabei ist der physische Markt mittlerweile so ausgetrocknet, daß in diesem Fall selbst bei sprunghaft steigenden Preisen praktisch keine Ware zur Verfügung stehen wird. Da der Silbermarkt viel kleiner als der Goldmarkt ist, wird die Entwicklung im Silbermarkt noch weitaus dramatischer verlaufen.