04/08 Interview beim Goldpreis von 900 $/oz PDF Drucken E-Mail

„Was bewegt die Edelmetalle?“
Interview mit dem Rohstoff-Spiegel

Gold kämpft derzeit mit der 900er Marke. Vor wenigen Monaten hielten das nur eingeschworene Goldbugs für möglich. Warum ist Gold gerade in den letzten Monaten so stark angestiegen?

Die Analyse, daß der Goldpreis zu niedrig liegt und die sich daraus ableitende Prognose eines weiter steigenden Goldpreises sind relativ leicht zu machen. Wann und wie schnell der Goldpreis ansteigt, hängt jedoch von unkalkulierbaren Faktoren, vor allem der Politik der Zentralbanken ab, so daß seriöse Aussagen über die Ursachen von kurzfristigen Marktbewegungen nicht möglich sind.

Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel. Bis wohin kann der Goldpreis in den nächsten Monaten noch laufen? Lohnt sich der Einstieg für neue Investoren noch?

Die wichtigsten Einflüsse auf den Goldpreis kommen in den nächsten Monaten von der Produktionsseite, dem Verhalten der Schmuckkäufer und den Zentralbanken. Auf der Produktionsseite ist mit Lieferausfällen zu rechnen. In Südafrika wird die mangelhafte Stromversorgung zu einem weiteren Produktionsrückgang führen. Explodierende Kosten bei der Energieversorgung, beim Stahl, bei Maschinen und Chemikalien führten bereits 2007 zu einem weltweiten Anstieg der Produktionskosten um 24 %, der sich 2008 fortsetzen wird. Bei der Schmucknachfrage ist vor allem wegen der gestiegenen Preise in Indien und wegen der Rezession in den USA mit einem Rückgang zu rechnen. Längerfristig bleibt für den Goldpreis das Verhalten der Zentralbanken entscheidend, die mit ihren Verkäufen von jährlich 400 bis 500 t etwa 20 % des Angebotes abdecken. An dem Punkt, an dem die Zentralbanken ihre Bestände abgebaut haben und deshalb kein Gold mehr verkaufen können oder aus währungspolitischen Überlegungen heraus kein Gold mehr verkaufen wollen, fällt dieses Angebot weg. Ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage ohne das Goldangebot der Zentralbanken müßte nach unserer Berechnung zu einem Goldpreisanstieg auf mindestens 1.200 $/oz führen. Langfristig lohnt sich ein Einstieg daher immer noch, vor allem weil die Rückschlagsgefahr im aktuellen Umfeld sehr gering ist.

Bei den Goldaktien zeigte sich eine unterschiedliche Entwicklung. Während die großen Produzenten neue Hochs erklommen, gaben die Kurse in der zweiten und vor allem dritten Reihe teilweise deutlich nach. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Die Beobachtung, daß in einer breit angelegten Aufwärtsbewegung immer zuerst die Standardwerte zulegen, ist bekannt. Sie erklärt sich aus der Tatsache, daß die großen Fonds bei Zuflüssen immer zuerst in die liquiden Marktführer investieren. Auch Privatanleger bevorzugen beim Einstieg in den Markt die größten und bekanntesten Werte. Bei einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ergeben sich dann zunehmende Bewertungsunterschiede, so daß dann schrittweise von den höher bewerteten größeren Titel in kleinere Werte umgeschichtet wird. Der ganze Prozeß wiederholt sich mit einer verblüffenden Regelmäßigkeit. Sollte der Goldpreis im Jahresverlauf über die 1.000 $/oz-Marke zulegen, kann nach diesem Muster eine Aufholjagd der mittelgroßen und kleineren Werte erwartet werden. Ausgesuchte mittelgroße kanadische und australische Werte, wie z.B. St Barbara haben diesen Trend in den letzten Wochen bereits eingeleitet.

Die zwei von Ihnen betreuten Goldminenfonds konnten sich gegen die Masse der auf Small-Caps fokussierten Fonds besonders gut behaupten. Was sind derzeit Ihre Favoriten im Goldminensektor? Welche Regionen sind besonders interessant?

Da die oben beschriebene Entwicklung absehbar war, wurden in beiden Fonds vor etwa
6 Monaten Umschichtungen von kleineren Werten in Standardwerte vorgenommen. Außerdem wurden wegen der Belastung durch Rezessionsängste sämtliche Basismetallinvestments abgebaut und in Gold- und Silberwerte umgeschichtet. Die Schwerpunkte im PEH-Q-Goldmines, der wegen hoher Zuflüsse in den letzten Monaten zunehmend in liquide Standardwerte investiert, liegen aktuell bei Silver Wheaton, Yamana, St Barbara und Barrick. Diese Werte werden vor allem durch liquide nordamerikanische Titel wie Goldcorp und Kinross ergänzt. Überschneidungen gibt es mit dem Stabilitas Pacific Gold+Metals bei Silver Wheaton, Yamana und St Barbara. Im Stabilitas Pacific Fonds werden diese Titel schwerpunktmäßig mit kleineren fundamental unterbewerteten australischen Werten wie Adamus, Troy, Norton und Rand Mining ergänzt. Während im PEH-Q-Goldmines der Investitionsschwerpunkt mit einem Anteil von 43 % in Nordamerika und nur noch mit 21 % in Australien liegt, investiert der Stabilitas Pacific Gold+Metals derzeit 56 % in Australien und 32 % in Nordamerika.

Welche Edelmetallaktien finden Sie derzeit neben Gold am interessantesten? Gibt es Möglichkeiten von der Platinpreisexplosion zu profitieren?

Neben dem Schwerpunkt Gold investieren beide Fonds derzeit in Silberaktien. Dabei bleibt Silver Wheaton als Weltmarktführer mit relativ geringen Risiken das Standardinvestment. Neben Silver Wheaton entwickelt sich Pan American Silver zu einem profitablen und soliden Produzenten. Auch wenn die beiden südafrikanischen Platinwerte Angloplat und Impala Platinum zunächst direkt von den Stromausfällen betroffen sind, werden diese Werte Gewinner der aktuellen Hausse bei den Platingruppenmetallen (Platin, Palladium, Rhodium) sein. Mit einem Anteil von etwa 75 % der Weltproduktion werden diese beiden Werte das Platin zu den gestiegenen Preisen fördern müssen, da es weltweit keine Produktionsalternativen gibt. Neben diesen beiden Werten bieten sich Aquarius Platinum und Stillwater als Investments für eine Spekulation in diesem Sektor an.