20/07 Chronik der Goldhausse PDF Drucken E-Mail

Mit dem Überschreiten der 730 $/oz-Marke wurde der seit 2001 bestehende Aufwärtstrend beim Goldpreis eindrucksvoll bestätigt. Nach einem Doppeltief bei etwa 250 $/oz in den Jahren 1999 und 2001 zeigt sich der Goldpreis in einem nun 6 jährigen Aufwärtstrend. Die wichtigste Hürde war die 290 $/oz-Marke, der Preis bei dem die Bank of England im Zusammenspiel mit dem damaligen britischen Finanzminister und heutigem Premier Gordon Brown in den Goldmarkt eingegriffen hat und einen Teil des britischen Vermögens mit völlig unsinnigen Goldverkäufen vernichtet hat. Damals wurde der Goldpreis von 290 bis auf 250 $/oz gedrückt.

Nach dem folgenden Wiederanstieg des Goldpreises über die 290 $/oz-Marke im Jahresverlauf 2001 war klar, daß die Zentralbanken den Kampf gegen das Gold verloren hatten und eine lange Aufwärtsbewegung bevor stand. Unsere damalige Goldpreisprognose von 600 $/oz entspricht inflationsbereinigt heute etwa einem Goldpreis von etwa 1.200 $/oz.

Mit dem Überwinden der 11.300 Euro/kg-Marke und dem Anstieg in praktisch allen Währungen weltweit wurde Ende Juni 2005 die 2. Stufe der Aufwärtsbewegung gezündet (vgl. Ausgabe 13/05). Seitdem konnte der Goldpreis auf Eurobasis etwa 50 % zulegen. Nachdem Ende 2005 die Marke von 500 $/oz, dem letzten Hoch aus dem Jahr 1988, überwunden werden konnte, machte sich der Goldpreis auf den langen Weg zum historischen Hoch von 871 $/oz aus dem Jahr 1980.

Nach einem fulminanten Anstieg bis auf 725 $/oz im Mai 2006 verzeichnete der Goldpreis allerdings eine umfangreiche Korrektur, die zeitweise wieder unter die 600 $/oz-Marke führte. Mit dem aktuellen Anstieg auf über 750 $/oz ist der Weg nun frei, das historische Hoch von 871 $/oz anzugreifen und zu überwinden.

Vielleicht halten Sie Kurse von 1.200 $/oz heute noch für unrealistisch. Viel unrealistischer wurde 2001 allerdings unsere Goldpreisprognose von 600 $/oz eingeschätzt. Diese ist prinzipiell als fairer Wert für den Goldpreis heute noch gültig. Sie wurde nur nach dem Anstieg der Preise für Energie (Öl), Stahl und Lohnkosten auf das heutige Preisniveau inflationsbereinigt. Im Vergleich zu vielen anderen Preisen (Öl, Nickel, Stahl) ist der Goldpreis bislang deutlich zurückgeblieben. Ohne die andauernden Zentralbankverkäufe, die eine reguläre Preisfindung am Markt verhindern, wäre der Goldpreis sicherlich bereits weit über die 1.000 $/oz-Marke angestiegen.

Bitte beachten Sie, daß der faire Goldpreis bei stabilen Marktverhältnissen bei etwa 1.200 $/oz liegen müßte. Im Zusammenhang einer Finanzkrise und einem Kollaps des Papiergeldsystems sind selbst-verständlich weitaus höhere Kurse denkbar, die allerdings immer im Zusammenhang mit der tatsächlichen Kaufkraft gesehen werden müssen.
Auf welchem Niveau sich der Bildungsstand auf den Finanzmärkten befindet verdeutlicht eine neue Erkenntnis der Wirtschaftswissenschaftler, daß nicht die Menschen, sondern Schimpansen nach dem Idealbild der Wirtschaftswissenschaftler handeln (vgl. Meldung vom 11.10.07). Selbst für das primitive Wissen (Binsenweisheit), daß die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik die Ursache und alleine verantwortlich für die Inflation sind und die Inflation selbstverständlich deshalb nicht bekämpfen können, muß Thorsten Polleit, Honorarprofessor der Frankfurt School of Financial Management, herangezogen werden (vgl. Meldung vom 08.10.07).

Noch nicht angekommen ist dieses Wissen beispielsweise bei Ken Fisher, der mehrere Milliarden Dollar verwaltet und im Handelsblatt kundtut, daß es gar keine Kreditkrise gibt und die US-Zinssenkung überflüssig war. Nach Ken Fischers Ansicht wurde die Zinssenkung durchgeführt, um die US-Wirtschaft zu stärken, was die Wiederwahl Ben Bernankes als Fed-Chef sichern soll.

Anmerkung: Wenn es tatsächlich möglich wäre, Wirtschaftswachstum durch Zinssenkungen herbeizuführen, müßte die japanische Wirtschaft seit Mitte der 90er Jahre mit zweistelligen Wachs-tumsraten brummen. In unserer Analyse über den Goldstandard konnten wir jedoch aufzeigen, daß Zinssenkungen zu einer Umverteilung von Wohlstand, nicht aber zu einem Wirtschafts-wachstum führen (siehe Analysen unter: http://www.goldhotline.de/html/goldmarkt_leitartikel.html).

Zurecht erwartet Ken Fisher durch die niedrigeren Zinsen steigende Aktienkurse, die durch kreditfinanzierte Fusionen, Übernahmen und Aktienrückkäufe bedingt sind. Dies deuten wir aber nicht als Wirtschaftswachstum, sondern als inflationäre Umverteilung, von der Ken Fisher sicherlich über-durchschnittlich profitieren wird, für die die Mehrzahl der Amerikaner aber durch Arbeitsplatzverluste, Rentenkürzungen, Zwangsversteigerungen… bezahlen muß. Wohlstands-zuwachs der Vermögensbesitzer darf hier nicht mit Wirtschaftswachstum verwechselt werden.